News Schwarzer Frost Roman

Heute mal ganz unklassisch Neuigkeiten statt Poesie:

Schwarzer Frost, mein Romanprojekt welches durch tollste Menschen dank Croundfunding ermöglicht wird, hat einen weiteren Supporter gefunden.

Der Verlag Zaglossus ist eine Plattform, die Interventionen im Literaturmarkt setzt. Das gemeinsame Ziel der im Verlag arbeitenden Menschen ist es, Autor*innen, die sich explizit außerhalb des Mainstreams positionieren, zu unterstützen, indem ihnen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden: Vertriebsstrukturen, Finanzierung und inhaltliches Know-how.

Deswegen kam es beim Cutie.BPoC Festival  zu der Idee, Schwarzer Frost zu unterstützen. Die Kooperation garantiert, dass SchwarzRund weiterhin autark arbeiten kann, der Roman jedoch eine größere Öffentlichkeit erreicht.

Schwarzer Frost erscheint im Herbst 2016 auf dem gesamten deutschsprachigen Markt.

Heißt ich entgehe den klassischen Verlagsgeschichten wie geplant, das Buch wird breiter zugänglich gemacht.

Falls eure (Vor)namen/Adressen etc nicht (mehr) richtig sind, mailt mir bitte damit euer Paket richtig landet 🙂

Das geplante Erscheinungsdatum ist der 1.11.2016 und es wird in Berlin und Wien schicke Release-Partys geben!

Das Veröffentlichungsdatum für die Hörbücher von Schwarzer Frost und Quasi folgen.

Am 09.11.2016 bin ich im Kino  Asta Nielsen e.V. in Mainz für eine Filmbesprechung.
Am 19.11.2016 bin ich in Leipzig (Näheres folgt) mit meinem Vortrag Schwarze Queere Musik als Intervention, Abends leg ich dann mit Videos Schwarze Queere und Femme Mukke auf!

Schreibt mir an schwarzrund@posteo.de damit ich euch meinen Roman live in eurer Stadt vorstellen kann <3

Ganz viel Liebe
SchwarzRund

Sichere Räume und Trauma

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Ich hatte gehofft, dass ich zu diesem Thema niemals etwas schreiben müsste. Doch ich bin jetzt an der Grenze, dessen was ich aushalten kann. Dessen, auf das ich verzichten kann. Dessen, dass ich ausblenden kann.

Wenn wir über feministische, Schwarze, queere und andere separatistische Orte sprechen, ist es schwer darüber nachzudenken wer dabei sein darf und wer nicht. Es gibt so selten Orte, an denen wir sein können, dass es uns schwer fällt darüber nachzudenken, dass manche nicht dabei sein werden. Wegen vorher Geschehenem, wegen Verhaltensweisen, letztendlich wegen Trauma. Es ist schwer, sich einzugestehen, dass auch wir gegenseitig Auslöser von Traumata sind. Und ich verstehe das. Und ich kenne das zu gut, wenn das Awareness Konzept besprochen wird, klingt es immer am Schönsten zu sagen „das wir ein Ort für alle sein wollen“. Natürlich sind da alle gleich dabei. Doch ein Raum für alle, ist meiner Meinung nach die größte Gefahr um Menschen zu retraumatisieren mit dem Gefühl, doch nur für Gerechtigkeit  sorgen zu wollen.
Ein Raum für alle ist ein Raum für jene, die nicht von stalking, Grenzüberschreitung und Angst zerfressen werden.
Ein Raum für alle ist ein Raum für jene die nicht sang und klanglos aus den Communitys verschwinden weil sie es nicht ertragen.

Ich glaube die Tatsache, dass viele Menschen zu wenig über Trauma, tatsächliches getriggert werden, Dessozieren usw wissen, ist der Grund für so viel Schmerz. Es ist auch wichtig zu wissen, dass meistens die Täter*in trotzdem Räume haben, und die verletzten Person sowieso schon von selber nicht kommen, wenn Sie wissen dass diese Person da ist. Sich aus allem raus ziehen. Auf einmal nicht mehr da sind, und alle sich zwar Fragen darum, aber keiner auf die Idee kommt, dass die Täter*in, der Grund, mit Raum sitzt.

Mittlerweile habe ich in Berlin nicht mehr die Möglichkeit aufzutreten, wegen dieser einen Person, habe in Berlin nicht mehr die Möglichkeit Teil der Schwarzen Communitys zu sein wegen dieser einen Person, mein letzter Raum waren queere Schwarze Kontexte, doch auch das ist jetzt vorbei. Als mehrfach diskriminierte Person sind diese Räume nicht nur wichtig als Freizeitbespaßung,  sondern sind Teil meiner Überlebensstrategie.

Doch natürlich, fühle ich auf den Schmerz der Schwester. Deswegen bin ich zu keinem Stammtisch gegangen, deswegen überließ ich jeden Raum. Deswegen versuchte ich, trotz meiner Verletzung und Beleidigungen die sie mir zugefügt hat in den selben Räumen zu sein. Zweimal landete ich deswegen im Krankenhaus, wegen Panikattacken. Die anderen Male gab ich einfach auf. Ich will nicht erzählen, was zwischen uns passiert ist, weil ich ihr nicht die Räume für immer verbauen will. Weil ich weiß dass auch sie nur aus ihren Traumata handelt weil ich weiß das dieses Trauma nur heilen können wenn es Räume gibt, wo Menschen vertrauen in sie setzen.

Aber ich sehe auch die Geschwister die wegen ihr keine Räume betreten, ich sehe auch die Geschwister die ausgebrannt in der Ecke liegen seit einem Jahr, weil sie ihn alles genommen hat. Und ich sehe auch mich. Die seit Januar sich selbst Vorwürfe macht, warum habe ich ihr geholfen? Warum habe ich nicht auf die Geschwister gehört, die mich vor ihr warnten? Warum wollte ich trotzdem für sie da sein? Wieso habe ich ihr geglaubt, obwohl doch alles was sie erzählte gegen Schwestern ging den ich hätte glauben sollen?

Dann denke ich an alle ihre Geschichten, über Ihre Familie. Und dann denke ich aber auch an mich. Die in den letzten zwei Jahren mit dem Überleben stärker kämpft wie sonst, und gerade an den Zeitpunkt an dem es Berg auf gehen sollte, von ihr zerfleischt und zerstört wurde. Weil sie jeden der ihr hilft, zerstören muss.

Und auch ich finde es deswegen nicht einfach. Ich finde es nicht einfach darum zu bitten auftreten zu dürfen. Ich finde es nicht einfach, wenigstens einmal im Jahr darum zu bitten in einem Raum sein zu dürfen.

Nach 14 Stunden Dissoziation les ich die Facebook Nachrichten, meine früheren Freunde, die sich entschuldigen. Die wieder und wieder und wieder erklären dass sie halt für alle da sein wollen. Nicht verstehen warum ich nicht darauf eingegangen bin, nur die Hälfte des Festivals dazu sein, damit sie die andere Hälfte haben kann. Die nicht verstehen warum ich nicht in einem Raum sein kann wenn sie im anderen Raum ist. Die mir Begleitschutz anbieten, und darum betteln  das ich doch wenigstens für ein paar Minuten noch dazukommen würde. Die nicht verstehen, dass die Tatsache, dass sie nicht gleich gehandelt haben, bereits das Ende eingeläutet hat.

Ich wurde insgesamt 17 mal gefragt, was denn passiert sei. Dass sie sie erst ausschließen könnten wenn sie das wüssten. Ich habe 17 mal mein Trauma erzählen müssen. Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich gegangen. Denn das, war genauso schlimm wie mit ihren Raum zu teilen. Das Gesichter, die ich so sehr liebte, mich fragend anschauten und immer wieder hören wollten was passiert war, zerriss mich. Und ich verstehe es aber auch so gut. Die Wahrheit ist, wir können als Awareness Team nicht von uns erwarten, in diesem Moment Gerechtigkeit walten zu lassen. Denn, wenn wir eine Verhandlung daraus machen, wird es nicht funktionieren. Natürlich ist die Täterin stärker, natürlich hält die Täterin das aus, natürlich kann das Opfer dann selbst wenn es gewonnen hat, dies nicht mehr genießen. Entweder wir entscheiden uns dazu, auch Menschen mit Traumata Räume zu geben, entweder wir entscheiden uns dazu zu darauf zu vertrauen dass die Schwester die um diesen Raum bittet mit Sicherheit schon mehrere Räume an die Täterin abgegeben hat, weil sie trotzdem das Trauma der Täterin spürt, oder wir geben die Aufgabe auf. Doch die Stunden, in denen ich im Raum gefangen war, nicht gehen konnte weil die Täterin vor der Tür stand, nicht gehen durfte weil alle erklärten, dass es schon werden würde, waren die schlimmsten. Die Tatsache dass die Freunde für mich einstanden nun völlig verbrannt abreisten, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben, war das Schlimmste. Es wäre zielführender gewesen zu sagen: für uns ist es einfacher einer Täterin den Raum zu geben als dir. Bitte gehe. Es wäre auch ehrlicher gewesen.

Und es wäre für mich sogar in Ordnung gewesen. Wir müssen nicht alles können, vielleicht können wir auch keine Räume erschaffen in den Personen mit Traumata sein können.

Doch wenn wir es versuchen wollen, müssen wir mit bedenken dass die Sekunde, nachdem das Opfer den Täter gesehen hat, der Beginn des Leidens ist.. Dass eine Entscheidung innerhalb von wenigen Minuten gefällt werden muss. Damit das Opfer aus der Situation herauskommt.

Doch diese Praxis des Abwartens, verhandeln, beschließen im Team, führt nur zu mehr Trauma. Führt nur zu mehr Enttäuschung. Das langsame Abwägen der Gerechtigkeit, ist auch auf Staatsebene der Grund, warum Opfer so selten sprechen.

Ich könnte darlegen, auf welche Arten diese Person Gewalt ausgeübt hat. Doch wozu? Ändert es etwas an dem was ich erlebt habe? Wenn du mir bestätigt das ich nicht zu leiden habe? Oder wenn du begreifst warum ich leide? Letztendlich habe ich allein mit dem erklären, mit dem rechtfertigen der Person schon geben was sie wollte. Die Täterin hat den Raum bekommen den sie wollte. Sie ist wieder Zentrum meines Denkens.

Als sich eingesperrt war, in diesem Raum immer das Wichtigste war, der mich dieses Jahr dazu gebracht hat zu überstehen, sah ich, wie sie die Energien zog. Jeder der bei ihr nur wenige Sekunden war zerbrochen. War vollkommen hilflos. Es ist nicht an mir, und auch nicht einer Community, jedes Trauma zu heilen. Ich hatte sie auch als Teilnehmerin einen Workshop, da liegt so viel Schmerz. Und sie tut mir so leid, diese Schwester. Doch am Ende musste ich die Scherben auf sammeln, die sie zurückgelassen hat. Musste ich die Geschwister auffangen, die sie zurückgelassen hat.

Deswegen habe ich auch nie darum gebeten, in mehreren Räumen sein zu dürfen. Ich habe ihr alles sang und klanglos überlassen, wusste das ich nicht stark genug bin sie auszuhalten. Lebte, damit dass sie all meine Grenzen ignorierte, mich immer wieder kontaktierte. Mich beleidigte, mich denuzierte.

Und ich begriff nicht, warum dies keiner sah. Bis ich an mich selbst dachte. Wie ich geglaubt hatte, wie die Geschichten doch so plausibel schien, sie das Opfer der gemeinen anderen Geschwister. Wie sie mich genutzt hatte Geschwister auszuhorchen die nicht mehr mit ihr im Kontakt stehen wollten. Wie sie die eine Schwester, die die Flucht vor der Familie endlich ermöglichte, als Sklavenhändlern charakterisierte. Die jedes Detail, dass sie über mich erfuhr, nutzte um mich weiter zu zerstören.

Und all diese Dinge muss ich wieder und wieder und wieder erzählen. Doch ich hab nie erzählt, was der eigentliche Kern ist. Ich schaffe es auch jetzt nicht. Es tat zu sehr weh.

Doch wenn wir weiterhin, uns nicht trauen unseren Geschwistern Grenzen aufzuzeigen, dann werden diese auch nie lernen, wie sie heilen können ohne alle anderen zu zerreißen. Und auch sie werden mehr mehr zerrissen, denn sie berichtete mir von all dem Schmerz weil so viele Menschen sie in so kurzer Zeit zurückließen. Dass so viele Menschen sich von ihr abkehrten.

Wir tun weder den Tätern nach den Opfern ein Gefallen, durch langsame Reaktion. Denn am Ende, hat keiner von uns Raum nutzen können. Denn am Ende, waren alle zerstört.

Erst wir Anfang, den Opfern zu glauben, erst wenn wir erkennen lernen wie Schock, Dissoziation  das Greifen nach dem letzten Halm Hilfeschreie sind, nicht noch den letzten Ort aufgeben zu müssen, dann können Räume erschaffen die auch für Opfer nutzbar sind.

Wir müssen den Wunsch des Opfers hören und nicht wieder und wieder in Frage stellen. Den der geäußerte Wunsch des Opfers ist unter Garantie schon ein gigantischer Kompromiss zwischen dem eigenen Wohl und dem der Täter*in.

Bis dahin werden die Safer Spaces den Tätern gehören, die niemals heilen werden, da sie über Grenzen anderer rennen und deswegen doch niemals lernen werden, dass ihre eigenen Grenzen auch etwas schützens- und liebenswertes sind.

A Latinix Thing

This poem is written out of sadness, sickness, lost hope and the fear to out failures of communitys, which are so essential to save lifes. This poem isn’t written in one of my languages because they are to close to my heart, so i jused my little english skills to raise my voice. this poem is written in Berlin by a afro Latinix, who can’t talk and jusge everyone everywhere who talks about her connections, impressions and feelings.
This poem is between all those things.
This poem is called:

A Latinix Thing

Those last days where filled up with

Voices that turned they own volume far to loud

and voices

that are noises about justice

regulary

but now are

the silent

inside of me

these last days

my interdependent heart

became broken

my queerness was erased

my migration was unheard

my blackness offered only a destroyed hope

for

community that cares.

Those last days my so-often unheard

my so-often lonely

my so-often unknown queer identiy

wasn’t seen

it was about every other group on earth

it was about every other oppression, hope and boundery

it was not

about us

we have names.

We have storys

we are

we are so divers it became hard to build up bounderies

our fights are so different from each other

so different its hard to find even words

we are those of double-, trible-, and so on diaspora

we are those who are too white

for beeing mourned by Black communitys in Germany

we speak only colonialized languages

so u don’t se us as „that“ black

forgetting our history

forgetting why

our skin is sometimes lighter

it’s a history of abuse

it’s a history of destroying every part of our souls they could get

and replace it with spain, french…

and we where to black to forget

our ancestors

we turned colonialized languages into our own

we challenging colonialized pictures

in our resitence

but we stay away

from your hearts

and i see your struggles to compansate this

but you know, siblings from the continent

my heart knows why you are writing PoC

instead of Latinix

why you writing

Queers of Color instead of

what we call ourself

and i hear the loud voices of white queers

running arround telling every magazine its about

your bodys

but its not

its about you desire

but its not

ir about your struggles and history

that have been neccesary because of your ancestors

that have been challenged by my ancestors

and u call us gays

and u call us family

and u cry in every camera u can get

and u are on the covers

of every magazine

but i understand u

in fear and sadness we stay in old behaviours

and as the old behaviours of Latinix is to try to handle all the emotions and fears inside of our familys

your behaviour is to steel every second of attention and ressouce

because your heart was heeling faster

because after you start again fearing the muslim men

you realized you arent

the real target

but you know how to use this

to fight

and you can use us

again

it is a latinix thing

we builded a word that isnt splitttable to reduce us on just queerness

or just blackness

or just spanish

a word that connect our soulparts

a word that describe the struggles of my siblings

of my family

over there

its not a queer safer space because of cis and hetero hate

its not a migrant safer space against deportation and racist violence

these are spaces

that are both and more and over that

where we share the bounderies and combinations of struggles

the empty pants because when u dont have papers

theres no reason to carry an empty purse arround

that fit perfectly on our genderqueer bodys

where we celebrate our diversitys

our souls

languages and dances

too white to be african enough for your tears

too machismo to be seen as a consequence of white colonial manipulations

too black to fullfill your now-a-days empty queer that is just for white cis men

too migrant to lift our voices that are switching between realitys because they all build our reality

just too much and too concrete

too much a fight that can only be seen in the US context of migration politics against states that are part of the US but just for good not for nation

its

a latinix thing

and this is how u silenced us

in white spaces that are allready oerwelmed by the idea of queers of color

in black german spaces that are allready overwelmed by the idea of beeing Black German and proud of their mothers land herritage

In of Color groups that are oerwelmed by the antimuslim agenda the eraser of queer muslims lifes and storys and hearts

in my Community of queers of color all to hurted by the news „shots on a club of color“ to hear and feel the later news and names, that are written also in my passport

its a oppression thing

how can i raise my voice if we are al so hurted destroyed and killed?

how can i adress the missing links between racism and anti-queerness that is written in the Latinix history by implementing the ideas of machismo into our hearts?

how can i adress that my family stays silent?

some because they are hurt as Latinos and latinas

some because they are confused by they colonialized ideas of gender but are overwelmed by my tears

some because they friends hope and love died in this night

some because they stopped writing

they feeling and opinions down

because we are so less

why even care about Latinix?

we are a group in a group in a group in a –

so why even care when they are so many other fights?

why should we share when our history is the story of

beeing splitted from the continent we called home

beeing splitted from our countrys we builded up just so the white men could come to drain us

beeing splitted from our communitys because we are not just queer, not just Latins

we are Latinix

why

should we still hope to be heard

if its just

a latinix thing

Servicepost :Splainende Sprache

Bild (31)

Mansplaining, Whitesplaining, Cissplaining.

Was damit gemeint ist? Erklär ich euch. Denn das passt zum Thema.

Irgendwer der*die auf einer*mehreren Ebenen priviligiert ist, erklärt die Welt. Was auch im weiteren Sinne bedeuten kann, nutzt Sprache, bewusst oder unbewusst, um das eigene Wissen über das von anderen zu stellen oder ungefragt das Wissen anderer zu validieren oder nochmal zu überprüfen.

Folgendes Video [engl] hat mich dazu veranlasst mal genauer darauf zu achten wann ich mich gesplaint fühle.

 

Es gibt ein paar Wörter/Satzkonstruktionen die bei mir recht zuverlässig ein Augenrollen produzieren.

erst einmal das Wörtchen Tatsächlich. Zum Beispiel so:

A: „Was denkst du dazu?“

B:“ Argument A“

A: „Tatsächlich habe ich an A auch schon gedacht“

So als müsse B’s absolut hysterische, aufgebrachte Argumentation ersteinmal wieder durch B’s ruhige besonnene Analyse den Tatsachen näher gebracht werden.

Ein weiteres Wörtchen ist faktisch. Faktisch dies, faktisch das Faktisch halts Maul.

A:“wie funktioniert das denn?“
B:“ das funktioniert so“

A:“ oh ich dachte das funktioniert eher so, ok ist jetzt nicht so aber faktisch…“

Auch schön wenn es um Emotionen geht und eine Partei auf einmal von Faktisch spricht. Ich stelle mir dann immer vor im 90er Jahre TV serien Stil in einem Gericht zu sitzen in dem im Bezug auf alle Fakrten etwas verhandelt wird obwohl es gerade nur darum geht welcher Teller im Al Andalos der beste ist.
Faktisch tatsächlich Nervig.

Besonders perfide schmerzt folgendes:

A:“*link schick*“
B:“das kriege ich nicht auf, weil die Einstellungen auf privat sind“
A:“ergibt Sinn

klingt erstmal harmlos, wens aber ständig und immer folgt, auch in Situationen in denen von der eigenen Lebensrealität berichtet wird, ist es verdammt überkandidelt.

So als wäre es besonders bemerkenswert, dass etwas das ich sage Sinn ergibt. Nebst all mein hysterischen sinnlosen Geplapper ergibt mal etwas Sinn sogar nach den hohen weißen Typenstandards – wow!

 

Gerade wenn Leute sich reflektieren nervt so eine nicht dekonstruierte Spreche, desswegen schreib ich das auch. In der Hoffnung das wir alle son bisschen mehr darauf achten. Als Bonus-feature jetzt noch mein letztes Hasswörtchen:

Natürlich

Und ich bekenne mich selber hart schuldig, im on my way.

erstmal ist die Idee des Natürlichen an sich schon eine ableistische, cissexistische, queerfeindliche, rassistische Konstruktion die arg mieft. Sie aber auch noch zu nutzen um Aussagen besonders „iss ja eh klar ne“ zu makieren ist  nochmal ableistisch und klassistisch, weil es nicht das Wissen TM gibt das alle haben und nur weil du gerade etwas so siehst es nicht natürlich ist oder Allgemeinwissen, weil auch das ein kotziges Konstrukt ist.

Dies ergibt nicht nur Sinn, es ist tatsächlich faktisch und natürlich genau so.

Es gibt bestimmt noch andere Wörter/Satzkonstruktionen, ich bin gespannt auf eure Augenroll-Wörter.

Zum Ende noch das Webkunststück von einer tollen schwester dazu:

 

 

Neurodiversity und Freundschaft

Freund*innenschaften sind ein schwieriges Ding, wenn das Denken einer der beiden nur auf Selbsthass beruht. Freundschaften werden noch schwieriger wenn es bei beiden so ist.

Freundschaften sind ein Gefühl tiefster Verbundenheit wenn das Denken beider Personen auf Selbsthass basiert.

Wenn die eigene Weltsicht sich nur darin erdet den eigenen Wert zu verkennen.
Wenn andere Menschen wertvoll sind weil sie einem darin zustimmen oder es wenigstens nicht in Frage stellen.
Wenn nur jene vertrauenswürdig scheinen die dies mit einem Teilen, ich weiß nicht ob dus wert bist.

Wenn all dies
Knüpfungspunkt ist.
Verknüpfungspunkt.
Ist.

Wenn das Bekenntnis so vieler »ich mag dich« bei mir nur wie das erste Indiz der Lüge klang.
Als ich lernte
An jedem gebrochnenen Herzen
Das dem nicht so sein muss.
Als ich dir sagte
Als du mir sagtest
Was unsere Freundschaft bedeutet
War das kein Beginn
Es klang in der Sekunde wie ein Ende
Es hätte klingen sollen
Wie ein Anfang
aber
Es war
Ein
Ende

Fürs erste.
Ein Ende, fürs erste.
Denn ich lernte es ja mit den Jahren
Ich lernte
Lektion 1: In 9 von 10 Fällen haben  Menschen keinen Nutzen davon mich anzulügen wenn es ums mögen geht
Lektion 2: In 9 von 10 Fällen sind Menschen nicht weniger Wert weil sie einen Wert in mir erkennen
Lektion 3: In 10 von 10 Fällen bereust du es wenn du Menschen gehen lässt weil sie deine Prüfungen nicht ertragen

Der wichtigste Mensch war jener der mir sagte »Du bedeutest mir viel. Es gibt keinen Grund mich gegen Drachen kämpfen zu lassen um dies zu beweisen, denn honey du bist nicht die Prinzessin und das macht dich so wertvoll denn wer mag schon monarchen?«
Der wichigste Mensch war nicht jener der diese Prüfungen bestand, denn das geht nicht, sondern jener der ging.

Ich will dieser Mensch für dich sein, auch wenn ich dich vielleicht dadurch verliere.
Ich will das du lernst:
In 10 von 10 Fällen ist dein Zweifel nach einem ich mag dich nur die Spanne zwischen deinem Selbstbild und dem was andere in dir sehen

Ich will das Bild deiner selbst
bewegen
das du dich magst,
ich will dich mögen dürfen während wir befreundet sind
Ich – will nich Spiele spielen um dich zu halten
ich will gut zu dir sein weil du es verdienst.

Ich will das du dir eingestehst das du dich verdienst.
Und das kein Urteil ist, kein Laster, keine Strafe.
Dass du Wert bist.
Dass du nicht nur andere tragen kannst sondern getragen werden kannst.

Ich will
Das weder ein freundliches
Noch freundschaftliches
Noch romantisches
Ich liebe dich
weiterhin
Nur als Lüge in dir wiederklingt.
Ich möchte die kleinen Widersprüche in dir füttern die dem alten Spiel etwas entgegen setzen.

Ich wünschte so sehr du würdest das spiel schon bei mir durchbrechen.
Das spiel von:
Kälte>Annäherung >Freundschaft>Bekundigung der Zuneigung >Argwohn>Angst>
SiebenAufgaben>Misstrauen>Kälte>Verstoßen werden>Bestätigung deines Bildes

Ich wünschte mir
Du würdest dich melden
Mit dem Wunsch
Es anders zu machen
Das wir das gemeinsam hinkriegen
Das…
Doch das ist naiv.
Denn die sicherste Rolle für mich war die Einsame kalte betrogene Person
Und diese Rolle steht mir doch so gut, hm?
Und die Rolle steht dir doch so gut, hm?

Aber unsere Freundschaft, die stand uns auch irgendwie
Ziemlich gut.
Unser gemeinsames Lernen und Lehren
Befand sich
Zwischen Angst und Vertrauen
Und wir schafften das.

Ich schrieb dir das ich gehe, und das hörtest du.
Ich beende die Nachricht mit Zuneigung, und das überhörtest du.
Ich seh dich weiter rennen, ich sehe wer bleiben darf und wer gehen muss.
Ich merke wie ich mir böse bin
Weil ich ja weiß was du wolltest
Ein bisschen mehr mitspielen, ein bisschen mehr Kälte
Die Differenz zwischen dem was du in dir siehst
Nichts
Und dem was ich in dir sehe
Wurde zu groß
Der einzige Weg den du mir gabst
War dich ein bisschen zu hassen, nur ein wenig
Damit du das mögen ertragen kannst

Es tut mir leid, das will ich nicht.
Ich will dich mögen dürfen.

Ich will Fehler machen können
Ich will das du Fehler machst
Ich wünschte wir würden uns danach dann beibringen
Dass das nicht von unserem Selbsthass bestätigt

Ich will
Sovieles.

vorallem
Jene brechen die dich gebrochen haben
Die dir dies beibrachten
Die es verstärkten
Jene die es mitspielten
Oder mitspielen
Es bequem fanden
Das du keine Zeichen der Zuneigung brauchst
Ich will:

Das du willst! Ich will das du es nicht als Last, sondern als Minimum ansiehst, das du einforderst was du verdienst, schon seit jahren seit immer.

Du sagtest mal zu mir
Das ich die Standards für deine anderen Freundschaften verdammt nach oben geschraubt habe
Du sagtest auch
Das dich das verunsichert.
Du sagtest, dass du darauf lange gehofft hast.

Du hast damit auch für mich einen Standard gesetzt.
Du willst
Das ich ihn unterschreite, das ich nun doch mitspiele, deinen Selbsthass ein wenig umarme weil er dir doch so lieb geworden ist.
Und das schlimme: Ich versteh dich.
Weil ich lange Zeit auch nur jene Liebte die meinen Selbsthass wenigstens ein wenig fütterten.
Denn sie sahen mich so wie ich mich sah.
Es passte besser.

Jezt habe ich Menschen
Bei denen dies nicht passt.
Es passt einfach nicht.
Es zieht und zerrt diese Differnz zwischen dem Eigen und dem Ihrigen Bild
Und nur in dieser Spannung
Bewegt sich mein Eigenbild
Hin zu einem EIGENbild
Weg von der Verachtung gegen mich und jene die mich lieben
Hin zu einem Eigen
Hin zu meinem.

Ich hoffe, du siehst die Spannung,
Ich hoffe sie zieht dich weg
Von deinem Selbsthass
hin
Zu deinem
Eigen.

Denn
Ich kenn vielleicht nur ein paar wenige Seiten
aber
Glaub mir
Es ist so verdammt schön

Ich kenn dich nicht in gänze aber glaub mir
Du bist so verdammt wertvoll

Als man mir sagte das Schmerzhafteste sei
Zu sehen
Wie wenig ich mich sehe
Weil ich damit einen der tollsten Menscnhen verpasse
Fand ich das kitschig
Und unnötig

Nun fühle ich genau das.
Immer wieder in Freundschaften.
Ich möchte dich dir vorstellen
Ich möchte am liebsten ein peinlich arrangiertes Date ausmachen
Bei dem dir garnichts anderes übrig bleibt
Als dich ein wenig in dich zu verlieben

Meine Nachricht war kein Abschied
Es war eine Verweigerung
Meine Nachricht
War ein bisschen Hoffnung
Meine Nachricht
Klang in deinen Ohren sicher nur wie eine Bestätigung
Meine Nachricht ging nicht nur an dich
Auch an mein vergangenes Ich.
Manchmal, kommt es noch wieder
Schneit herrein und schaut ob es sich setzen darf
Und ich sage ihm

Was ich dir sagte

Hey du
Ich merke deine unsicherheit was uns angeht
Leider kann ich das z. Zt. Nicht händeln
Ich wünsche dir alles gute und vllt stehts ja irgendwann bei uns beiden besser
So das wir uns wieder annähern können
Ich hab dich lieb

Und ich hätte dir erklären sollen, das dieser Text nicht an dich geht
Sondern an deinen Selbsthass

Und du antwortest

»ich habe damit gerechnet«

Und ich wollte antworten

Aber tat es nicht.

Denn die antwort wäre gewesen
»Ich wünschte, das hättest du nicht, denn dann wäre es nicht passiert«

Wir sind meister
Der Selbsterfüllenden Prophezeihung
Und sosehr es auch unser Ego stärken mag
Das wir vorhersehen wann Menschen gehen
Ist dies eigentlich
Nichts besonderes
Wenn wir sie doch eigenhändig
Aus der Tür befördern.

Rechnen ist halt sicherer wie fühlen
Rechnen ist halt auch einfacher
Rechnen ist Halt

Rechnen
Ist wirklich nicht mein Ding

Rechnen ist auch wirklich nicht dein Ding

Wir schreiben, weil schreiben fühlen statt rechnen ist

Wir fühlen weil Berechnendes gruselig ist
Und Klischee
Und überhaupt.

Ich rechnete mir dir weil es sich richtig anfühlte
Du berechnetest mich weil das Fühlen nicht nummerisch ist
Du ordnest Menschen Funktionen zu
Sagtest du
Und das du das nicht mehr willst
Und doch beendetest du es mit »ich habe damit gerechnet«
F(x)= ich hoch
Was weiß ich

Weil es gewohnt ist.
Ich will
Das du deine Gewohnheit durchbrechen lernst
Damit am Ende
Menschen wieder zu dir kommen dürfen
Trotz ihrer Zuneigung
Damit ich
Am Ende
Wieder zu dir darf
trotz
Der gemeinsamen
Zuneigung.

Wie kamsn dazu? -Liebster Award Fragen

Hach, es gibt menschen die ich mag, und Lieblingsmenschen. Einer dieser Lieblingsmenschen ist ja Boy*Tales nun hat genau der die Fragen des Liebste*r Awards beantwortet. Nun muss ich auch ran!

liebster-award-2

Bemerkst du_ihr einen Unterschied zwischen deinem bloggenden Ich und dem_den anderen Ich_s in deinem Leben (&Schreiben)?

Definitiv. Ich bin ja immer vorsichtig mit Beyonce Anspielungen (psst, who knows me in reality) aber in den raren Interviews in denen sie über ihr Alter Ego spricht, hab ich mich sehr wieder gefunden. Gerade verschmelzen SchwarzRund und ich mehr und mehr, notgedrungen. Wenn es um’s Publizieren geht ist es mir wichtig, meinen Namen darauf zu sehen, er ist lang, gibt wieder wer ich bin und ich wünsche mir ja auch ständig Repräsentanz von Latin@s, da wäre es unfair mich selbst da raus zu nehmen.

Mein bloggendes Ich ist ein Teil von mir, der in der realen Welt zu oft aufs Maul gekriegt hat, wenn ich tanzen gehe, auf der Bühne bin oder Workshops leite bin ich ganz im realen Leben SchwarzRund. Das fühlt sich immer etwas magisch und wunderbar an, endet meistens aber in Übergriffen, Beleidigungen und mindestens Street-herassment. Als dicke Latin@ die einen Bezug hat zu all ihren kulturellen Anteilen – stößt du in einer solch verstockten Kartoffelgesellschaft an. Besonders wenn du literarisch arbeitest, Raum einnimmst beim tanzen und dich nicht versteckst.
Trotzdem: ich wünsch mir mehr SchwarzRund auch im Alltag, definitiv ein Projekt.

Inwiefern hat sich die Sichtweise auf die Dinge, über die du_ihr schreibt geändert, seitdem du_ihr darüber bloggt?

Da gibt es ganz ganz viele Beispiele, gerade was ableismus und Sprache angeht.

Oder auch z.B.eine Auseinandersetzung mit Hengameh  zu Bi-Feindlichkeit, im Internet sind da ganz schön die Fetzen geflogen. Mittlerweile versteh ich dank eines RL Gesprächs besser woher vieles kam, was so Gründe sind. Wenn das ganze nur im Realen Leben passiert wäre hätte ich mir die Argumente angehört und erneut eine Community verlassen, so konnte ich mich erklären. Ich finde bloggen ist auch ein hervorragender Weg für neurodiverse Personen sich zu äußern, auszuteilen, einzustecken, sich zu hassen und danach zu crushen, geht alles.

Viele der Binaritys die ich im Schädel hab_hatte sind auch durch das Schreiben verschoben/aufgelöst/dekonstruiert worden. Sprache verlieren um Neue zu finden ist beim bloggen fantastisch dynamisch, mensch lernt einfach ultraschnell. Gerade mein erster Text mein Körper gehört mir nicht hat so viele Metamorphosen erlebt, das war schon spannend. Gerade denke ich weiter viel darüber nach: wie Sachen benennen die auf Binarität beruhen ohne Binarität zu reproduzieren?

Wie ist dein_euer Blog entstanden? Gab es so etwas wie einen Initialmoment?

Hm ich hab schon irgendwie immer gebloggt (oder halt meine Knuddelz Seite dazu verwendet #kidofthe90s) ich glaube aber schon das der Hauptimpuls die Reaktionen auf Facebook war auf meinen ersten Text. Da hab ich gemerkt »jap du hast ne Rechtschreibschwäche aber menschen fühlen wenn du schreibst« und das hatte ich in meiner RZB schon irgendwie gelernt zu vergessen. So war der Blog sicher auch der Todesstoß für die RZB, weil einfach ein vergrabener Teil von mir wieder Raum fand.

Wie hat es sich angefühlt deinen_euren ersten Artikel zu posten?

total komisch weil: ich bin ja ein strategisches Geschöpf und hatte einiges vorbereitet und dann kam erstmal: nichts. Das war super. So hab ich gleich die wichtigste Lektion gelernt: blogge vor allem für dich, weil vielleicht interessiert es keine*n und dann sollte es sich trotzdem lohnen jedes Wort getippt zu haben.

Welche Rolle spielt Intersektionalität in deinem_eurem Schreiben?

Ich würde sagen: Die Hauptrolle. Daher: auch keinen bloggerischen #oskarsowhite, denn es nervt schon einige. Ich kriege das lustigste Feedback, von weißen Leuten oft ein »Ich finds ja sooo toll das du aus dicker Perspektive schreibst aber mal ehrlich, manchmal pullst du da das Schwarzsein auch echt gezwungen rein.« das ist irgendwie ganz schön absurd, die Leute hätten gerne Scheiben, nicht eine mehrschichtige Person. Audre Lorde wurde ja auch z.B. in der Jungen Welt als lesbische Aktivistin vorgestellt-ohne das Schwarz sein zu benennen. Oder sie wir als Schwarze Autorin benannt, dann wird das Aktivistische und das Queersein entnannt. Mehrere Kategorien zu sein ist irgendwie zu eckig für ein rundes Verständnis von Priviligierten.

Auf dem Bundestreffen sprach mich eine Schwester an: »ich lese deinen Blog ja auch, ich habe ja in den letzten Jahren 40 Kilo abgenommen, und mir gefällt der echt gut. Aber kannst du dich nicht mehr auf das Schwarz sein konzentrieren? Einige Themen haben sich einfach überholt, das wirst du schon merken, mit dem Alter wirst du sehen das das Thema nicht mehr so relevant ist.« das war so absurd, nur weil sie nun Priviligierter ist ist das Thema generell nicht mehr relevant?!? Ach ne, das liegt ja daran das ich einfach zu jung bin um es zu checken. Klar, Schwarz sein, latin@ sein ist mein Hauptbezugspunkt, abere eben auch weil es all diese Themen mit einbegreift. Dekolonialisierung ist für mich eben auch weiße Ideologien über den Haufen zu werfen, so wie Körpernormen und Genderbinarität und Heteronormativität. Das ist für mich alles nicht minder ein BlackThing wie z.B. Artikel über Hairpolitics.

Da alle hier nominierten Blogger_innen sich neurodivers postionieren: Auf welche Art und Weise beeinflusst deine Neurodiversität dein Schreiben (sowohl inhaltlich als auch in Sachen Zeiteinteilung, Projekte jonglieren, Energie einteilen, etc.)?

Gerade SEHR mein Thema. Inhaltlich arbeite ich gerade an Schwarzer Frost, und da ist mein Hauptanspruch: Sprache finden für meine neurodiverse Lebensrealität, gibt‹s nämlich fast nicht. Wenn ich Bücher von Neurotypos lese ist das immer seltsam. »Sie stand auf, streckte sich und begann den Tag, sie überlegte was kommen würde, wie der Dienstag sich zeigen würde.« das ist fast wie Fantasy lesen für mich *lach*, bei mir wäre diese Situation entweder nicht da (weil unrealistisch) oder einige Seiten lang.

Die Zeiteinteilung ist riesen Thema, das mit SchwarzRund ist ganz schön schnell ganz schön groß geworden. Dann kam noch we-worte.de dazu und auf einmal wusste ich kaum mehr wo mir der Kopf steht, ich hab um vier einen Wecker gestellt um Mails zu checken und zu beantworten. Das ging nicht lange gut, gerade hab ich alles auf Null gestellt, plane und dekonstruiere viele meiner Vorstellungen von Arbeit und bin gespannt wie es ab März weitergeht. So wie bisher nicht, Mails werde ich wohl nur noch einmal am Tag oder so beantworten. Und das nicht nachts um vier *lach*

Wenn auch gerade sehr verpöhnt in der Missy, für mich war da echt der wichtigste Meilenstein das Buch von Marie Kondo, mich hat es sehr empowert (ja heteronormativ aber: sweeteste Neurodiverse Autorin <3 ich gleiche die heteronormativität aus indem ich sie crushe;)) das gab mir einfach den magischen »alles was ich mag und mich zufrieden mag hat Platz in meinem Leben, das was mich am Leben hält auch wenn‹s nervt und der Rest darf gehen« – Satz an die Hand.
Für mich ein riesen Ding, da bin ich schon etwas Klischee first/second Generation« Migrantin *lach* unbeeinflusste Endscheidungen bezüglich Arbeit und Karriere haben halt wenig Platz gehabt im Leben meines Vaters (har mit 6 begonnen einen großen Teil des Familieneinkommens zu erwirtschaften in der Favela), dafür andere wunderbare Dinge. Mittlerweile ist aber sogar er so, dass er sich Dinge gönnt. Da darf ich auch langsam landen:)

Ich hab mein Leben lang versucht das Neurodiverse zu verstecken, aus gutem Grund es gab ein Projekt das mich feierte, bis sie meine Diagnose hörten und mich dann rauswarfen. So ganz direkt deswegen, mit der Begründung auch. Sowas brennt sich halt ein. Gerade entwickel ich mehr und mehr Akzeptanz mir selbst gegenüber, da hilft vor allem das Lachen über Neurotypische. So ganz heimlich, wir wollen ja den Kapitalismus nicht ausbremsen.

Zeitmanagment ist aber auch Thema zum Beispiel an Schmelzpunkten der aktivistischen und künstlerischen Arbeit. Einige hat es schon irritiert, das ich auf einmal so schlecht zu erreichen bin. Aber: Ich weiß einfach das ich nicht mehr so sehr im Minus Leben kann mit meinen Spoons. Ich strebe ein Guthaben an-was letztendlich ja auch meiner Arbeit zugunsten kommt. Das wird halt besonders schwierig wenn es um ally sein geht und Kapazitäten, viele ungeklärte Fragen. So kann es schon sein, das ich enttäuscht bin von neurodiversen Leuten weil sie sich nicht 24/7 fantastisch verhalten und dann raus finde, es lag daran das die Spoons aufgebraucht waren.
Gerade bin ich so die, die da mit leerem Besteckkasten steht und deswegen wenig Ally sein kann. Das ist scheiße. Aber eben auch meine Lebensrealität. Letztendlich bin ich ja auch ein beschissener Ally wenn ich mich so kaputtmache das ich nicht am Leben bleibe, keine*r hat Bock das als moralische Last mit sich herrum zu tragen. Ich bin selber auch lieber genervt davon, dass Leute unsolidarisch sind wie zu erfahren das sie sich aufgebraucht haben bis nichts mehr übrigblieb zum am Leben bleiben.

Nutzt du_ihr neben der Schriftsprache auch noch andere Ausdrucksformen/Medien/Kunstformen? Wenn ja, kam das langsam zu deinem_eurem Blog dazu, oder wolltest du_ihr von Anfang an einen multimedialen Blog?

Ich sag mal so: Mein Lieblingskind ist die Musik, nur das ich nicht singen kann, ohne singen zu können Musik machen dürfen aber irgendwie nur weiße Cis Typen. Deswegen schreibe ich, aber ich denke performen ist so ein bisschen die heimliche Kompensation meiner Sehnsucht danach, mit Musik auf der Bühne zu stehen. Bei einigen gemeinsamen Auftritten mit WoMANtís RANDom  wurde der Wunsch dann wahr- mein Text »du trägst dazu bei, dass« wurde an der Gitarre begleitet. Danach weine ich immer ein bisschen vor Glück, gerade arbeiten wir gemeinsam an einigen Sachen und ich bin unfassbar gespannt auf unsere Ergebnisse.

Was macht queeres Schreiben für dich_euch aus?
Das alles möglich ist und nichts vorgegeben. Ich glaub das ist der Unterschied zu monosexuellem (komisches Wort) schreiben, das du halt nicht gleich weißt was passieren wird. Aber ich weiß halt auch nicht wie hetero-Schreiben geht, weil war ich nie. Ist sicherlich auch anstregend immer betonen zu müssen das jetzt nichts zwischen den beiden läuft nur weil Typ + Frau + Freundschaft da ist – queerness ist da schon bequemer.

Schreibst du_ihr auch noch anderes, oder konzentriert sich deine_eure Arbeit ausschließlich auf den Blog?
Ich schreibe auch Artikel, z.B. Für den MRBB. Ansonsten hab ich meine Novelle Quasi 2015 veröffentlicht und schreibe gerade an Schwarzer Frost, dafür unter anderem Songtexte. Es ist so anders und spannend, twitter z.B. Kann ich nur für Nachrichtenerstattung wie bei der #ohlauer, alltägliches schaff ich da nicht. 140 Zeichen? – eher 140 Seiten.

Wenn ja, beeinflusst dein_euer Blogger_innen Dasein deinen_euren Schreibstil auch bei offline Projekten?
Ich wüsste nicht mal wo ich wie die Linie ziehen sollte. Es ist absolut eins, würde ich sagen. Selbst was das Studium angeht, ich bin einfach daheim im Internet. So habe ich z.B. Für eine Modulleistung auf meinem Blog Schwarze Queere Künstler*innen recherchiert, dann daraus einen multimedialen Vortrag gebaut und es erst eineinhalb Jahre später geschafft das eigentliche Modul damit abzuschließen. Manchmal steht mir das auch so ein bisschen im Weg, es ist halt so schade das soviel Wissensproduktion in Uniräumen hängen bleibt, ich hab schon den Anspruch das alles auch anders zugänglich zu machen. Nur wirkt sich das eher negativ auf meine Semesteranzahl aus.

Der schönste_blödeste_interessanteste_aufregendste_traurigste Moment deiner Blogger_innen geschichte war_ist…

Schönste: Soo viele! Aber es gab schon Highlights, als ich in Göttingen meine erste Solo-Lesung hatte und das Ding einfach rappelvoll war, das war so abgefahren.

Blödeste: Als die Abmachung zwischen den Besetzenden aus der Ohlauer kam und wordpress in genau jenem Moment beschlossen hatte die gesamte Software umzustellen, Die Presse gegen unsere Tür drückte, die Übersetzer*innen bereit waren und unsere Bildschirme nur noch sagten: »Beep Beep Boop …«

Interessanteste: Eher so im englischen Sinne »intresting« war die Reaktion einer Teilnehmerin meines Schreibworshops »Schreiben aus der Eigen_Perspektive«. Wir hatten eine Gesprächsrunde zum Thema »was stört euch an Sprache« und es wurden intimste Positionierungen geteilt. Sie begann dann ein abschließendes Kommentar mit »Erstmal voll schön das ihr das alle geteilt habt. Aber ich muss sagen ich habe manchmal das Gefühl das ich wegen …« Darauf hin unterbrach ich sie und bat sie wenigstens ehrlich zu sagen was sie meine, ohne die Einleitung, weil gerade dieses »ich weiß das euch da weh tut das habe ich begriffen aber trotzdem..« Das ganze erst richtig nasty macht. Sie begann dann eine Diskussion mit mir, am Ende schrieb ich ihren Satz an die Tafel und bat ihr an, dass wir schauen, warum ihr Satzkonstrukt »ich habe schon manchmal das Gefühl ich werde von sprachlichen Dogmatismen eingeschränkt« genau das sagt was wir alle erwarteten, nämlich »Mir ist es wichtiger ohne Rücksicht auf die Gefühle weniger Priviligierter verletzende Sprache zu nutzen weil mir meine Gewohnheit wichtiger ist wie die Situation anderer«, das wollte sie aber nicht.
Nach weiteren verletzenden Kommentaren bat ich sie zu gehen. Sie diskutierte, schimpfte und Teilnehmende komplimentierten sie heraus. Sie forderte immer wieder noch »eiiiine Sache« sagen zu dürfen. Angeblich hätte sie es verstanden. Nachts erreichte mich dann von der Mailadresse »Finda Dogma« (hillarious) folgender Text (immerhin: Der Text ist definitiv ziemlich Eigen: Ziel erreicht):
[Tiggerwarnung]

»«Ich fühle mich von Dogmatismen (…) manchmal eingeschränkt«

OHJA und zwar von solchen, wie deinen!!!!
Ist dir die Definition von Dogmatismus bekannt?? Unanfechtbare Wahrheiten, die, wenn ein Lynchmobb sie sogar gegen den Respekt einer Person verteidigt, leider nicht mehr nur ein harmloser beschränkter Horizont sind, sondern durch seine Exekutive FASCHISMUS. So faschistoid, dass sich das Gruppenklima durch kollektives Lästern über einen Sündenbock aufeinmal toll aufgelockert hat, ne?! ARM, richtig ARM!!- und so Menschen-typsich….
Ich dachte bei TOLERANZ geht es um gegenseitiges ZUHÖREN und nicht um AGGRESSIVES DURCHDRÜCKEN, der eigenen Sicht, weil dann wird es DOGMATISMUS. Mit meinem Rausschmiss heute, habt IHR ALLE also nur eure eigene perverse faschistoide Weltsicht bewiesen, die heißt: ich habe die Wahrheit gefressen und alle anderen werden gefressen.
Ich empfehle mal einen Body-Acceptanz- Kurs. DU wirst es nicht verstehen, aber ich finde es geht in erster Linie darum, jemanden SEIN zu lassen. Das ist FREIHEIT für ALLE (auch der »weiße CIS-Mann« hat ein Recht auf Freiheit, du Nazi!)
Und du wirst von mir hören! Is mir scheiß egal, ob das meiner »previligierten Position« (du weißt gar nix über mich!!!!!!!!!!!!!) entspringt oder meinen echten Freunden, aber ich lasse mich von keiner Menschengruppe der Welt so behandeln. Nochmal in kurz: Deine beschissene Workshopleitung braucht ne Therapie!!«

Mit Body Acceptance gegen Faschismus ist mittlerweile ein geflügelter Satz in meiner peergroup. Aber wir habens ja auch nicht verstanden.

Aufregenste/Traurigste: Mag ich hier nicht schreiben denn das waren definitiv all die Privatnachrichten und Mails von Menschen die viele schöne traurige Worte fanden zu meinen Themen. Ich wünschte jede*r Einzelne von denen würde bloggen denn es sind so viele wichtige Stimmen!

Wen ich nominiere? Ganz klar! Das Projekt break the binary und den guten Afro German Rebel, ich bin gespannt auf eure antworten und Nominierungen, aber nur wenn ihr mögt (ist ja auch alles sehr umstritten mit diesem liste*r Ding, ich fand die Fragen einfach zu schick um sie unbeantwortet zu lassen) Wenn nicht: checkt trotzdem deren Seiten aus denn sie sind fantastisch!

Ich finde boy*tales fragen sehr fantastisch und werde mich etwas nach ihnen richten. [Credits geben is ja wichtig. Wer hat die Oktopusohrringe endeckt,hmh?: -*]

Also:

Bemerkst du_ihr einen Unterschied zwischen deinem bloggenden Ich und dem_den anderen Ich_s in deinem Leben (&Schreiben)?
Was war eine der wichtigsten Lektionen die du/ihr durch Kommentare/Gespräche/Antworten auf eure_deine Artikel/Bilder/Kunst erhalten habt?
Wie ist dein_euer Blog entstanden? Gab es so etwas wie einen Initialmoment?
Wie fühlt ihr euch dabei eure Stimmen in die Mehrheitsgesellschaft zu geben durch euren Blog?
Welche Rolle spielt Intersektionalität in deinem_eurem Schreiben?
Wie beeinflusst euer Schwarzsein in einer weißen Gesellschaft euer Schreiben?
Nutzt du_ihr neben der Schriftsprache auch noch andere Ausdrucksformen/Medien/Kunstformen? Wenn ja, kam das langsam zu deinem_eurem Blog dazu, oder wolltest du_ihr von Anfang an einen multimedialen Blog?
Was macht aktivistisches Schreiben für dich_euch aus?
Schreibst du_ihr auch noch anderes, oder konzentriert sich deine_eure Arbeit ausschließlich auf den Blog?
Was sind vorhandene aktivistische Strukturen die ihr ergänzen_erweitern etc. Wollt durch die Präsenz eures Blogs?
Wie schätzt du_ihr die Relevanz von Blogs/Blogbasierten Websites ein im Bezug auf »offline-Aktivismus«?